Redebeitrag der Schülerinitiative gegen Abschiebung (SigA)

 

Am 15. November letzten Jahres wurden sieben von neun Mitglieder der Familie Özdemir abgeschoben. Sie lebten 14 Jahre in Deutschland, lebten hier wie jede andere Familie auch und wurden wie Schwerstverbrecher abgeschoben.

Am Tag der Abschiebung umzingelten um 4 Uhr in der Früh 30 Polizisten das Haus der Familie in Wadern, sie rissen die schlafenden Kinder aus dem Schlaf, ließen ihnen nur wenige Minuten zum anziehen und packen, fuhren sie nach Düsseldorf zum Flughafen und schoben sie in die Türkei, ein für sie schon fremd gewordenes Land, ab. In dieser brutalen Nacht und Nebelaktion trat ein Polizist eine Badezimmertür ein, die Mutter fiel darauf in Ohnmacht und wurde erst später mit einem Krankenwagen zum Flughafen gefahren. Nun leben sie in der Türkei bei Verwandten. Sie teilen sich mit fünf Personen ein Zimmer, haben kein Geld für medizinische Versorgung, und die Kinder können nicht zur Schule gehen, weil sie kein Türkisch sprechen und nur so wenig kurdisch, dass sie sich mit ihren Eltern unterhalten können. Aber besonders schwer ist es für die zwei Töchter. Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen gibt er dort nicht, sie haben keine Rechte und stehen kurz davor, ein Kopftuch tragen zu müssen.

Meine Freundin Nazife schreibt mir ständig, wie verzweifelt sie ist, dass sie lieber sterben würde, als in der Türkei bleiben zu müssen, und dass alles, was sie sich in Deutschland aufgebaut hat, umsonst war. In der Türkei haben sie alle keine Zukunft mehr, es gibt keine Arbeits-, geschweige denn Ausbildungsplätze. In dem Dorf, in dem sie leben, sind überall Soldaten. Sie können sich nicht mit den Menschen verständigen, überall herrscht Armut, und die ganze Kultur ist anders.

Vor 14 Jahren mußte die kurdische Familie wegen politischer Unterdrückung und Angst vor Verfolgung die Türkei verlassen. Sie kamen nach Deutschland in der Hoffnung, hier ein neues Leben ohne Angst zu beginnen. In diesen Jahren hat sich die Familie bestens integriert, die zwei jüngsten Söhne Isaak und Jakob wurden hier geboren, alle Kinder gingen zur Schule, und der Vater arbeitete in einem Krankenhaus. Weil sie zwei Asylanträge gestellt haben, also von einem legalen Recht Gebrauch gemacht haben, wurden sie von der CDU-Regierung mit der Abschiebung bestraft. Sie lebten 14 Jahre als nur geduldet in Deutschland, mit der täglichen Angst, morgen nicht mehr hier zu sein.

Die zwei nicht abgeschobenen Söhne leben nun getrennt von ihrer Familie, und obwohl alle Familienmitglieder dasselbe durchgemacht haben, wurde nur der älteste Sohn Emrullah als politischer Flüchtling anerkannt. Tahsin muss noch immer mit der Angst leben, abgeschoben zu werden. Bei einer Abschiebung droht ihm in der Türkei ein zwei-jähriger Militärdienst.

Da es so viele Freunde der Familie und Schüler, gibt die diesem grausamen Schicksal nicht tatenlos zusehen wollen, haben wir die Schülerinitiative gegen Abschiebungen gegründet, die sich für die sofortige Rückkehr aller Familienmitglieder und für ein Bleiberecht für Tahsin Özdemir einsetzt. Mittlerweile sind wir schon 50 Mitglieder, die meisten von uns kannten alle Familienmitglieder, gingen mit ihnen zur Schule und verbrachten ihre Freizeit mit ihnen, und niemand von uns kann verstehen, was unsere Freunde gemacht haben, dass sie so schwer bestraft wurden. Wir organisierten eine Demonstration und Kundgebung in Merzig, und nehmen an jeder Mahnwache, die jeden Freitag in Wadern stattfindet, teil. Dies sind nur einige unserer Protestaktionen und werden auch nicht die einzigen sein, denn wir werden nicht eher mit unseren Protesten aufhören, bis jedes einzelne Mitglied der Familie in ihre Heimat zurückkehrt!

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