Aktion Gelber Punkt

Als im vergangenen Jahr der Rassismus in Deutschland seinen traurigen Höhepunkt in einer Welle von Angriffen auf Asylantenunterkünfte erreichte, wurden ebenso Menschen, deren Herkunft aus einem anderen Land erkennbar ist, bedroht, überfallen, geschlagen und ermordet.
Diese Übergriffe waren zu der Zeit zwar nichts Neues. Jedoch wurde über die häufigeren Vorfälle und die zunehmende Brutalität ihr Vorhandensein für kurze Zeit in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt.
In dieser Zeit entstanden mehrere Initiativen, die es sich zum Ziel setzten, praktische Solidarität mit ausländischen Menschen zu organisieren und zum Teil erhielten bereits bestehende Initiativen gegen Rassismus und Faschismus kurzfristigen Zulauf.
Auch wenn die Meldungen der Medien über rassistische Angriffe versiegt sind, sich das Entsetzen vieler Menschen im Alltagstrott verlaufen hat, gehen die Angriffe weiter. 1991 gab es nach offiziellen Angaben mehr als 700 Überfälle gegen AusländerInnen - sicherlich nur ein Teil der tatsächlich geschehenen.

Wir, ein paar Leute, die im Nauwieser Viertel wohnen/arbeiten, haben als einen Teil antifaschistischer/antirassistischer Organisierung eine Initiative erarbeitet, die unter Mithilfe von Geschäften und Gasthäusern Fluchtmöglichkeiten für bedrohte AusländerInnen bietet.
Anlaß waren faschistische Angriffe auf Ausländer im Viertel.
Dafür war es wichtig, so schnell wie möglich "Erste Hilfe" zu organisieren. Darüberhinaus wollen wir langfristig das politische und soziale Klima in unserer Umgebung sensibilisieren und verändern. Jeder Menscch hier trägt eine Mitverantwortung dafür, wohin unsere Gesellschaft steuert, daß sich eine Stimmung breitmacht, in der Rassisten und Faschisten jeden Tag und an jedem Ort mit dem Zorn derer zu rechnen haben, die weder einen Herrn über sich noch einen Knecht unter sich haben wollen.

Bisher ist die Initiative auf das Nauwieser Viertel konzentriert. Und so wie wir auf die Mitarbeit von Leuten im Viertel angewiesen sind, hoffen wir, daß auch in anderen Stadtteilen, Städten und Orten Ähnliches entwickelt wird.
Die Initiative kann auch nur im Zusammenhang mit allen andern einen langfristigen Sinn erhalten: für einen kontinuierlichen Schutz der Flüchtlings-Unterkünfte, gegen Ausländergesetze und Abschiebungen, und direkt gegen faschistische Terrorbanden.

Da wir es bisher nicht verhindern können, daß mit hier produzierten Waffen, mit hier ausgeklügelten Überwachungs- und Repressionssystemen die Menschen in unterentwickelt gehaltenen Ländern ermordet und verfolgt werden,
daß unsere Konsum- und Luxusgüter zum größten Teil aus Rohstoffen produziert werden, die nach den Gesetzen der Marktwirtschaft aus den Herkunftsländern geplündert werden, wollen wir eine Mitverantwortung dafür tragen, daß der Bruchteil der vor Armut und Krieg Flüchtenden, die Westeuropa erreichen, vor einer Fortsetzung des Krieges gegen sie hier geschützt werden.

Deshalb dürfen wir auch nicht zulassen, daß Europa die Grenzen dicht macht, um das Elend, das es selbst produziert, auszusperren.

Bleiberecht für alle Flüchtlinge - Offene Grenzen!
Stopp den faschistischen Angriffen!

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